← Deutschland

Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der Strafrechtspflege

Kurz gesagt

Dieses Gesetz hebt strafrechtliche Urteile auf, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aus politischen, militärischen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen und unter Verstoß gegen grundlegende Gerechtigkeitsprinzipien ergangen sind. Die diesen Urteilen zugrunde liegenden Verfahren werden eingestellt.

Was es regelt

Wen es betrifft

Eckpunkte

Gesetzestext
Obsah (8)§ 1§ 2§ 3§ 4§ 5§ 6§ 7§ 8

Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile in der StrafrechtspflegeStand

(+++ Textnachweis ab: 1.9.1998 +++)

§ 1

Durch dieses Gesetz werden verurteilende strafgerichtliche Entscheidungen, die unter Verstoß gegen elementare Gedanken der Gerechtigkeit nach dem 30. Januar 1933 zur Durchsetzung oder Aufrechterhaltung des nationalsozialistischen Unrechtsregimes aus politischen, militärischen, rassischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen ergangen sind, aufgehoben. Die den Entscheidungen zugrunde liegenden Verfahren werden eingestellt.

§ 2

Entscheidungen im Sinne des § 1 sind insbesondere 1.Entscheidungen des Volksgerichtshofes, 2.Entscheidungen der aufgrund der Verordnung über die Einrichtung von Standgerichten vom 15. Februar 1945 (RGBl. I S. 30) gebildeten Standgerichte, 3.Entscheidungen, die auf den in der Anlage genannten gesetzlichen Vorschriften beruhen.

§ 3

(1)Ist eine Entscheidung auf die Verletzung mehrerer Strafvorschriften gestützt und liegen die Voraussetzungen des § 1 Satz 1, auch in Verbindung mit § 2, nur hinsichtlich eines Teiles der Entscheidung vor, so wird die Entscheidung insgesamt aufgehoben, sofern der Teil der Entscheidung, der die Voraussetzung des § 1 Satz 1, auch in Verbindung mit § 2, erfüllt, nicht von untergeordneter Bedeutung ist.
(2)Erscheint nach Lage des Falles zweifelhaft, ob die Voraussetzungen des Absatzes 1 vorliegen, so ist die dem Täter günstigere Auslegung zugrunde zu legen.

§ 4

(1)Ist die Entscheidung in Fällen des § 3 nicht vollständig aufgehoben, so wird auf Antrag der Teil der Entscheidung aufgehoben, für den die Voraussetzungen des § 1 Satz 1, auch in Verbindung mit § 2, vorliegen.
(2)Über den Antrag entscheidet das Landgericht durch unanfechtbaren Beschluß.

§ 5

Weitergehende Vorschriften, die zur Wiedergutmachung oder Beseitigung nationalsozialistischen Unrechts in der Strafrechtspflege erlassen wurden, bleiben unberührt.

§ 6

(1)Auf Antrag stellt die Staatsanwaltschaft fest, ob ein Urteil aufgehoben ist; hierüber erteilt sie eine Bescheinigung. Antragsberechtigt sind der Verurteilte, nach seinem Tode seine Verwandten und Verschwägerten gerader Linie, seine Geschwister, der Ehegatte und der Verlobte. Sind alle Antragsberechtigten verstorben oder ist ihr Aufenthalt unbekannt, so hat die Staatsanwaltschaft die Feststellung von Amts wegen zu treffen, wenn dafür ein berechtigtes Interesse dargetan wird.
(2)Zuständig ist die Staatsanwaltschaft, die das Verfahren eingeleitet hat, das der in § 1 genannten Entscheidung vorausgegangen ist. Wird am Sitz dieser Staatsanwaltschaft keine deutsche Gerichtsbarkeit ausgeübt oder läßt sich die Staatsanwaltschaft nicht bestimmen, so ist die Staatsanwaltschaft zuständig, in deren Bezirk der Betroffene zum Zeitpunkt der Tatbegehung seinen Wohnsitz hatte. Wird auch am Sitz der Staatsanwaltschaft keine deutsche Gerichtsbarkeit ausgeübt oder läßt sich diese Staatsanwaltschaft aus anderen Gründen nicht bestimmen, so wird die zuständige Staatsanwaltschaft durch den Bundesgerichtshof bestimmt. Die Staatsanwaltschaft teilt dem Bundeszentralregister die Feststellung der Urteilsaufhebung mit.
(3)Absatz 1 Satz 2 und 3, Absatz 2 gelten für Entscheidungen nach § 4 sinngemäß.

§ 7

Die Aufhebung des Urteils umfaßt auch alle Nebenstrafen und Nebenfolgen.

§ 8

Eintragungen im Bundeszentralregister über Urteile, deren Aufhebung gemäß § 6 festgestellt worden ist, sind zu tilgen.

Anlage(zu Artikel 1 § 2 Nr. 3)1.Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich vom

  1. März 1933 (RGBl. I S. 141)2.Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom
  2. April 1933 (RGBl. I S. 175)3.Gesetz zur Änderung von Vorschriften des Strafrechts und des Strafverfahrens vom
  3. April 1934 (RGBl. I S. 341)4.Gesetz zum Schutz der nationalen Symbole vom
  4. Mai 1933 (RGBl. I S. 285)5.Gesetz gegen die Neubildung von Parteien vom
  5. Juli 1933 (RGBl. I S. 479)6.Gesetz über Volksabstimmung vom
  6. Juli 1933 (RGBl. I S. 479)7.Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom
  7. Dezember 1933 (RGBl. I S. 1016)8.Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen vom
  8. Dezember 1934 (RGBl. I S. 1269)9.Reichsflaggengesetz vom
  9. September 1935 (RGBl. I S. 1145)10.Gesetz zum Schutze des Deutschen Blutes und der Deutschen Ehre vom
  10. September 1935 (RGBl. I S. 1146)11.Reichsbürgergesetz vom
  11. September 1935 (RGBl. I S. 1146)12.Preußisches Gesetz über die Geheime Staatspolizei vom
  12. Februar 1936 (G. S. 21)13.Gesetz über die Hitlerjugend vom
  13. Dezember 1936 (RGBl. I S. 993)14.Verordnung gegen die Unterstützung der Tarnung jüdischer Gewerbebetriebe vom
  14. April 1938 (RGBl. I S. 404)15.Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden vom
  15. April 1938 (RGBl. I S. 414)16.Gesetz zur Änderung der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich vom
  16. Juli 1938 (RGBl. I S. 823)17.Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom
  17. August 1938 (RGBl. I S. 1044)18.Verordnung über Reisepässe von Juden vom
  18. Oktober 1938 (RGBl. I S. 1342)19.Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom
  19. November 1938 (RGBl. I S. 1580)20.Polizeiverordnung über das Auftreten der Juden in der Öffentlichkeit vom
  20. November 1938 (RGBl. I S. 1676)21.Verordnung über den Nachweis deutschblütiger Abstammung vom
  21. August 1940 (RGBl. I S. 1063)22.Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden vom
  22. September 1941 (RGBl. I S. 547)23.Verordnung über die Beschäftigung von Juden vom
  23. Oktober 1941 (RGBl. I S. 675)24.Erlaß des Führers über die Rechtsstellung der NSDAP vom
  24. Dezember 1942 (RGBl. I S. 733)25.Polizeiverordnung über die Kenntlichmachung der im Reich befindlichen Ostarbeiter und -arbeiterinnen vom
  25. Juni 1944 (RGBl. I S. 147)26.Folgende Vorschriften des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich vom
  26. Mai 1871 in seiner am
  27. Januar 1946 gültigen Fassung: §§ 2, 9, 10, 16 Abs. 3, § 42a Nr. 5, § 42k, 80 bis 94 einschließlich, § 102, 103, 112, 134a, 134b, 140, 140a, 140b, 141, 141a, 142, 143, 143a, 175, 175a Nr. 4 in der Fassung des Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuchs vom
  28. Juni 1935 (RGBl. I S. 839), § 189 Abs. 3, § 210a, 226b, 291, 353a, 370 Nr. 326a.§§ 57, 59, 60, 62 bis 65, 67, 69, 71 bis 73, 77, 78, 80 bis 85, 87, 89, 91, 92, 94 bis 97, 99 bis 104, 106 bis 108, 110 bis 112, 139, 141, 144, 147, 147a, 150 des Militärstrafgesetzbuches in den Fassungen der Gesetze vom
  29. Juni 1926 (RGBl. I S. 275),
  30. Mai 1933 (RGBl. I S. 295),
  31. November 1934 (RGBl. I S. 1165),
  32. Juli 1935 (RGBl. I S. 1021) und
  33. Oktober 1940 (RGBl. I S. 1347)27.Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe vom
  34. März 1933 (RGBl. I S. 151)28.Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens vom
  35. Oktober 1933 (RGBl. I S. 723)29.Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr vom
  36. Juli 1934 (RGBl. I S. 529)30.Verordnung über das Sonderstrafrecht im Krieg und bei besonderem Einsatz (Kriegssonderstrafrechtsverordnung) vom
  37. August 1938 (RGBl. 1939 I S. 1455)31.Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen vom
  38. September 1939 (RGBl. I S. 1683)32.Verordnung gegen Volksschädlinge vom
  39. September 1939 (RGBl. I S. 1679)33.Verordnung zur Ergänzung der Strafvorschriften zum Schutz der Wehrkraft des deutschen Volkes vom
  40. November 1939 (RGBl. I S. 2319)34.Verordnung zum Schutze des Reichsarbeitsdienstes vom
  41. März 1940 (RGBl. I S. 485)35.Verordnung zum Schutze der Metallsammlung des deutschen Volkes vom
  42. März 1940 (RGBl. I S. 565)36.Verordnung über die Strafrechtspflege gegen Polen und Juden in den eingegliederten Ostgebieten vom
  43. Dezember 1941 (RGBl. I S. 759)37.Verordnung des Führers zum Schutze der Sammlung von Wintersachen für die Front vom
  44. Dezember 1941 (RGBl. I S. 797)38.Verordnung des Führers zum Schutze der Rüstungswirtschaft vom
  45. März 1942 (RGBl. I S. 165)39.Verordnung über den Schutz der Waffenabzeichen der Wehrmacht vom
  46. Mai 1942 (RGBl. I S. 277)40.Verordnung zur Sicherung des totalen Kriegseinsatzes vom
  47. August 1944 (RGBl. I S. 184)41.Polizeiverordnung über das Betreten von Seeschiffen in deutschen Häfen vom
  48. September 1944 (RGBl. I S. 223)42.Verordnung zur Sicherung des Fronteinsatzes vom
  49. Januar 1945 (RGBl. I S. 20)43.§ 1 des Gesetzes zur Änderung des Reichsstrafgesetzbuches vom
  50. September 1941 (RGBl. I S. 549)44.Abschnitt IV der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes vom
  51. Februar 1933 (RGBl. I S. 35)45.Verordnung des Reichsministers des Innern über das Verbot kommunistischer Demonstrationen im Freistaat Sachsen vom
  52. Februar 1933 (RGBl. I S. 78)46.§ 5 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom
  53. Februar 1933 (RGBl. I S. 83)47.Verordnung des Reichspräsidenten gegen Verrat am Deutschen Volke und hochverräterischer Umtriebe vom
  54. Februar 1933 (RGBl. I S. 85)48.Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung vom
  55. März 1933 (RGBl. I S. 135)49.Verordnung des Reichspräsidenten über die Gewährung von Straffreiheit vom
  56. März 1933 (RGBl. I S. 134)50.Gesetz zur Abwehr politischer Straftaten vom
  57. April 1933 (RGBl. I S. 162)51.§ 1 des Gesetzes über die Gewährung von Straffreiheit vom
  58. April 1936 (RGBl. I S. 378)52.Gesetz gegen Wirtschaftssabotage vom
  59. Dezember 1936 (RGBl. I S. 999)53.Gesetz zum Schutze von Bezeichnungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vom
  60. April 1937 (RGBl. I S. 442)54.Gesetz gegen Straßenraub mittels Autofallen vom
  61. Juni 1938 (RGBl. I S. 651)55.§§ 3 und 8 des Gesetzes zur Änderung des Reichsstrafgesetzbuches vom
  62. September 1941 (RGBl. I S. 549)56.Polizeiverordnung über das Photographieren und sonstige Darstellen verkehrswichtiger Anlagen vom
  63. März 1942 (RGBl. I S. 156)57.Verordnung zur Erweiterung und Verschärfung des strafrechtlichen Schutzes gegen Amtsanmaßung vom
  64. April 1942 (RGBl. I S. 174)58.Verordnung des Führers zum Schutz der Sammlung von Kleidung und Ausrüstungsgegenständen für die Wehrmacht und den Deutschen Volkssturm vom
  65. Januar 1945 (RGBl. I S. 5)59.Volkssturmstrafrechtsverordnung (VOSTVO) vom
  66. Februar 1945 (RGBl. I S. 34)einschließlich aller zusätzlichen Durchführungsbestimmungen, Verordnungen und Erlasse.

Rechtsprechung zu dieser Vorschrift (41)

BFH VIII R 36/23 §/Art 2,1
BVerwG 5 C 39/13 §/Art 2,1
BVerwG 8 C 5/14 §/Art 1,2,3
BVerwG 8 C 11/16 §/Art 1,2

🔗 Zur amtlichen Quelle

KI-Erklärung auf Basis des amtlichen Gesetzestextes. Orientierend, ersetzt keine Rechtsberatung.